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Preview - Besser vorher informiert

Wie jedes Jahr bietet die Viennale wieder ein Konvolut von über 100 Filmen an. Der geneigte Zuschauer steckt dabei in der Bredoullie; anhand eines kurzen Infotextes muss er herausfinden, welche Filme für ihn sehenswert sind und welche nicht. Um die Entscheidungsfindung ein wenig zu erleichtern, habe ich mir im Vorfeld bereits zwei Filme angesehen, die im Rahmen des Festivals gezeigt werden.

Let's make MONEY

Seit seinem Film We Feed the World ist Regisseur Erwin Wagenhofer als Entlarver gesellschaftlicher Fehlentwicklungen in aller Munde. Stand in seinem preisgekrönten Vorgänger noch Anbau, Haltung und Konsum von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln im Vordergrund, so widmet er sich in seinem neuen Werk Let’s make MONEY den Finanzmärkten und Banken einer globalisierten Welt. Dass er damit in ein Wespennest unüberblickbaren Ausmaßes gestochen hat, zeigt uns nicht nur der Film selbst, sondern auch die Ereignisse der letzen Wochen, in denen die Immobilienkrise in den USA für ein weltweites wirtschaftliches Chaos gesorgt hat.

Obwohl der Dreh des Films zeitlich vor dem Bankenbeben anzusiedeln ist, lassen sich deren Hintergründe anhand der Dokumentation gut nachvollziehen. Der Finanzmarkt entwickelte sich seit den 70er Jahren zu einem kapitalistischen Schauplatz ohne Regeln und Schranken, so dass eine Regulierung nicht mehr erfolgen konnte. Dieses Problem wurde mittlerweile erkannt – Banken sollen künftig wieder teilverstaatlicht und die Finanzmärkte stärker kontrolliert werden. Doch weder Wagenhofer noch die Protagonisten in seinem Film können als Propheten bezeichnet werden, sie demaskieren lediglich schonungslos ein System, das für den Normalsterblichen überhaupt nicht mehr zu durchschauen ist. Über Cross-Border-Leasing, Wirtschaftssubventionen, Emerging Markets und Steuerflucht eröffnet der Regisseur ein Mosaik an Themen, aus welchem sich der Zuschauer seine eigene Vorstellung der Finanzwelt bilden kann.

Inhaltlich ist somit wenig zu kritisieren, auch wenn man dem Film unterstellen muss, eine lediglich subjektive – in diesem Fall negative – Sichtweise auf die Entwicklungen auf dem Finanzmarkt zu präsentieren. Auf cinematographischer Ebene kann Let’s make MONEY dagegen wenig überzeugen. Zu lange und zu oft werden Personen, die im Film Rede und Antwort stehen, bei alltäglichen Tätigkeiten wie Autofahren, Zeitungslesen oder im Fitnessstudio gezeigt, so dass die große Leinwand und das Ereignis Kino gänzlich überflüssig zu werden drohen. Auch wenn Luftaufnahmen von leerstehenden Plansiedlungen und die Küstenlandschaft der Kanalinsel Jersey ein wenig Wiedergutmachung betreiben, scheint das Werk eher fürs Fernsehen geeignet zu sein.

Gone in 60 Seconds

Eine genau gegenteilige Aussage lässt sich über den Film Gone in 60 Seconds treffen, der im Rahmen der Retrospektive Los Angeles – Eine Stadt im Film gezeigt wird. Hier steht vor allem die filmische Darstellung einer Verfolgungsjagd und nicht ein wie auch immer gearteter Inhalt im Vordergrund. Folgerichtig bleiben die Figuren auch nur undurchschaubare Fassaden und das Auto an sich wird in die erste Reihe verfrachtet, wenn auch nur in der Darstellung seiner Austauschbarkeit. Innerhalb kürzester Zeit muss eine Ganovenbande um den Versicherungsinspektor Maindrian Pace (der Name ist Programm) 48 genau definierte Boliden stehlen, die sie aus ganz Los Angeles mit unterschiedlichen Tricks requirieren.

Lediglich mit einem 73er Ford Mustang (Bullitt lässt grüßen), der den Codenamen Eleanor trägt, gibt es Probleme, die in einer 40-minütigen Verfolgungsjagd kulminieren, welche die eigentliche Konsistenz des Films ausmacht. In einer wahren Blechorgie wird das Leinwandspektakel zum bloßen Ausstellungswert, das sich an der Zerstörung erfreut, dabei aber schon aufgrund der Produktionsbedingungen nie in unrealistische Special Effects verfällt. Absurd ist die Situation trotzdem, was sicher auch den Reiz für den Betrachter ausmacht.

So passt es ganz gut, dass die im Filmmuseum gezeigte Kopie in äußerst schlechtem Zustand ist und mit schwedischen Untertiteln aufwartet. Dies ist Trash-Cinema in Reinkultur und somit „ein Manifest für ein Kino der unübersehbaren Zerstörung“ wie es Kurator Thom Andersen ausdrückt. Wer also daran interessiert ist zu erfahren, woher der fünf Jahre später erschienene Film Blues Brothers seine Ideen bezieht, dem sei ein Besuch von Gone in 60 Seconds nahegelegt.

Let`s make MONEY (Österreich 2008) wird am 28.10 um 20 Uhr und am 29.10 um 11 Uhr im Rahmen der Viennale gezeigt.
Gone in 60 Seconds (USA 1974) ist am 27.10 um 21 Uhr im Rahmen der Retrospektive im Filmmuseum zu bewundern.
14.10.08 17:49


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