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viennale 2008

Tag 11

Es ist 10.30 Uhr, nein, es ist schon 10.32 Uhr. Ich hetzte zur Straßenbahnhaltestelle. Das wird knapp. So, noch um die Kurve und dann… sehe ich noch die Rücklichter, der gerade davonbrausenden Bim. Mist!

11 Uhr. Ich springe am Schwarzenbergplatz aus der Bahn und sprinte Richtung Stadtkino. Wenigstens habe ich grüne Welle.

11.05 Uhr. Keuchend sinke ich erschöpft in meinen Sessel. Gerade geht das Licht aus. Von mir aus kann der Film beginnen.

I Hired a Contract Killer

Was tun, wenn man nicht mehr leben will und zu feige ist sich umzubringen? Man setzt einen Profikiller auf sich an. Dies scheint zumindest für Henri die einzig richtige Schlussfolgerung zu sein. Ohne Freunde, Job und Perspektive übergibt der emotionslos wirkende Franzose sein Foto mit Adresse zusammen mit seinem letzten Geld an einen Mittelsmann, setzt sich in seine Wohnung und wartet auf den Tod.

Aki Kaurismäki zeichnet vordergründig ein trostloses Bild der Gesellschaft. Nicht nur der sterbewillige Henri, auch sein Killer, seine Vermieterin, im Prinzip sein gesamtes soziales Umfeld fristen ein trostloses Dasein und scheinen nur auf den Tod zu warten. Es ist aber geradezu bezeichnend, dass am Ende gerade diese Personen dafür verantwortlich sind, dass Henris Leiden einen glücklichen Ausgang nehmen kann. Die kleinen Gesten in einer abgestumpften Welt zeigen, dass die Hoffnung auf eine lebenswertere Existenz tief im Menschen verwurzelt ist und letztendlich zum Ausbruch kommen muss.

La Forteresse

Am Ende wirkt alles wie ein heiterer Wochenendausflug. Die Reisenden winken nochmals zurück bevor sie in Richtung Bus gehen. Doch plötzlich kommt ein Aufseher hinter der Gruppe hergerannt und nimmt einer Familie den Rollstuhl weg. Das Mädchen muss vom Bruder weitergetragen werden; das Staatseigentum kehrt in die Festung zurück.


Ähnlich zweischneidig legt Fernand Melgar seinen gesamten Film an. Seine Dokumentation über Asylbewerber in der Schweiz pendelt zwischen der tiefen Verzweiflung von Menschen, die nahe Angehörige verloren haben und dem klischeehaften schwarzen Drogendealer aus Österreich, der sich seinen Aufenthaltstitel erschleichen will. Prinzipiell eine legitime und objektive Betrachtungsweise der Arbeit des Auffanglagers Vallorbe. Aber was ist schon objektiv, wenn im Zweifel gegen den Angeklagten (denn als solche werden die Asylbewerber behandelt) entschieden wird und selbst deutlich sichtbare Schussnarben in Frage gestellt werden. Lediglich 10% der Asylanträge in der Schweiz werden bewilligt. So bleibt trotz einiger starker Szenen ein eher zwiespältiges Gefühl gegenüber dem Film zurück.

Wellness

Thomas Lindsey steht vor dem Spiegel und übt skurrile Sätze, die er als Vertreter zum Beginn eines Verkaufsgesprächs anbringen will. Er hat all sein Geld in die Wellness Company investiert und muss nun eigenhändig für Abnehmer des dubiosen Gesundheitsprodukts sorgen. Ein typischer Fall von Schneeballgeschäft. Dies wird Thomas wohl auch bewusst, als er statt des erhofften Bonus vom Chef lediglich vier Dollar in seinem Briefumschlag findet oder als er verzweifelt versucht, seine Verkaufsprodukte vom Vertrieb der Firma zu erhalten. Trotzdem strebt er mit unaufhaltsamem Optimismus einem Verkaufsseminar entgegen, das sich schicksalhaft als letzter Sargnagel erweisen soll.

Ohne Charme und voller Dilettantismus was das Verkaufen von Wellness-Produkten angeht, stolpert der Hauptdarsteller durch den Film. Diese Eigenschaften lassen sich auch auf Kamera (unscharfe, verwackelte Bilder mit seltsamen Einstellungen) und Ton (wechselt mitten im Satz die Lautstärke) übertragen. Allerdings ist dieser Umstand wohl eher nicht auf ästhetische Gründe, sondern auf das kleine Team und das geringe Budget von 2000 Dollar zurückzuführen. Wellness ist ein echter Independentfilm und als dieser sollte er daher auch bewertet werden.

Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson

Den meisten wird Hunter S. Thompson nur als von Johnny Depp gespielten Protagonisten des Kultfilms Fear and Loathing in Las Vegas bekannt sein. Er war aber viel mehr. Dieses mehr verdeutlicht Alex Gibney in seiner Hommage an den Erfinder des Gonzo-Journalismus. Dargestellt wird dabei nicht nur eine schriftstellerische Legende, sondern auch die private Person, die mit zunehmendem Alter versucht, durch Alkohol und Drogen der eigenen Festgelegtheit zu entfliehen, was schließlich erst mit seinem Selbstmord im Jahr 2005 gelingt.

Erzählt wird aber auch die Entwicklung der USA von den 60er Jahren bis heute, die durch Thompsons Arbeiten entscheidend mitgeprägt wurde. Von den Hells Angels über die Präsidentenwahlen bis zum berühmten Rumble in the Jungle zwischen Ali und Foreman; der Waffennarr und Drogenliebhaber war bei all diesen Ereignissen auf seine ganz spezielle Weise zugegen. Neben Weggefährten kommen deshalb auch bekannte politische Größen wie Ex-Präsident Carter und Präsidentschaftskandidat McGovern ausführlich zu Wort. Eine interessante Dokumentation, die nur einem sicherlich nicht gefallen würde: Hunter S. Thompson.

Vorschau Tag 12: No Direction Home
fm5.viennale am 29.10.08 10:21


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